Viele Programme zur Foto-Verwaltung verfügen inzwischen über die Möglichkeit neben den üblichen Informationen wie Blende, Verschlußzeit und Tags auch GPS-Informationen zur Verwaltung von Fotos zu nutzen. Beispiele  sind Picasa und Digikam. Enthält ein Photo die GPS-Informationen, wo genau es aufgenommen wurde, kann man in der Bildverarbeitung gleich eine Karte dazu ansehen oder man kann auf einer Karte ein Rechteck aufziehen, um sich alle Photos anzeigen zu lassen, die innerhalb des durch das Recheck aufgespannten geographischen Bereichs gemacht wurden. In folgendem Screenshot von Digikam, sieht

man auf der linken Seite eine Karte, die gerade Ägypten zeigt und darin (am roten Punkt) ein Rechteck, das ich mit der Maus aufgezofen habe, wodurch in der Mitte des fensters alle die Bilder angezeigt werden, die in dieser durch das Rechteck bestimmten  Region aufgenommen wurden (ein Klick auf das Bild öffnet eine größere Darstellung in einem extra Fenster. 330Kb ).

 

digikam-gps

Digikam gibt auf der linken Seite gleich an, wieviele Photos sich in dem Bereich befinden. Auf der rechten Seite unten, sieht man die EXIF-GPS-Informationen, die im Bild gespeichert sind.

Photo-Geotagging ist sicherlich eine Interessante Möglichkeit die wachsende Zahl von Bildern zu zähmen und darin noch das Bild zu finden das man gerade braucht. Die Frage ist, wie kriege ich die GPS-Informationen in das Foto und wie werden diese in den Fotos gespeichert? 

Das Speichern erfolgt wie oben im Bild zu sehen ist,  in einem Abschnitt der Metadaten der Fotodateien, in den EXIF Tags. Dazu gehören etwa die Tags GPSLatitude und  GPSLongitude. Um diese Werte in den Photos zu setzten gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Methoden

  1. Eine Kamera verwenden, die einen eingebauten GPS-Empfänger hat, der bei jedem Schnappschuß die GPS-Information sofort in die Photodatei einfügt.
  2. Verwendung eines Aufsteck-Geräts (z.B. für den Blitzschuh der Kamera) mit dessen Hilfe man bei Bedarf GPS-Informationen direkt beim Fotografieren von der Kamera in die Bilddateien schreiben lassen kann.
  3. Nutzung eines externen GPS-Empfängers, das ständig GPS-Daten aufzeichnet und diese in die Photo-Dateien schreiben kann. Dazu schiebt man die Speicherkarte der Kamera mit den Bildern in das Gerät, was draufhin über einen Abgleich der Uhrzeit, die in den Photodateien und der GPS-Aufzeichnung vorhanden ist, die richtigen Koordinaten in die Bilddateien schreibt.
  4. Nutzung eines externen GPS-Empfängers, der ständig GPS-Daten aufzeichnet, die später zuhause am PC mit den Photos abgeglichen werden. Auch hier wird die in den Photo-Dateien gespiecherte Uhrzeit zu dem das Photo gemacht wurde dazu verwendet, um den am besten passenden GPS-Datensatz aus der Aufzeichnung zu finden und in die Photo-Datei zu schreiben.

Die erste Methode ist noch nicht weit vereitet, es gibt noch kaum Kameras, die einen eingebauten GPS-Sensor haben. Nikon hat einmal eine Komapktkamera die Nikon Coolpix P6000 herausgebracht. Das Problem solcher Kameras ist der hohe Energiebedarf, den GPS-Sensoren haben, wodurch der Akku schnell leer wird.  Der zweite Weg, der insbesondere für DSLR-Kameras möglich ist, hat letztlich das gleiche Problem. Ein Vertreter ist z.B. der Nikon GP-1 Photo-GPS-Empfänger, der auf den Blitzschuh der Kamera gesetzt und mit einem Kabel an die Kamera angeschlossen wird. Die Energieversorgung muß auch hier die Kamera übernehmen wodurch deren Akku schneller schlapp macht.

Die dritte Kategorie zu dem ich z.B. den ATP Photo Finder zähle hat ebenfalls ein Problem, was in diesem Fall darin besteht, das solche Geräte in der Regel nur mit JPG-Dateien umgehen können nicht aber mit RAW-Dateien, die dem Fotografen in der Nachbearbeitung der Bilder aber mehr Möglichkeiten bieten.

Die Quahl der Wahl

Als ich für eine geplanten Reise überlegte welcher Weg für mich der Beste ist, um Photos mit GPS-Tags zu versehen habe ich mich für die 4. Kategorie entschieden:

Teils teure Zusatzhardware wollte ich mir nicht anschaffen, zumal damit der Akku der Kamera stark belastet wäre. Dann habe ich mich an mein Handy ein Nokia E55 (siehe meinen Erfahrungsbericht zum E55) erinnert, das einen GPS-Sensor und natürlich einen eigenen Akku hat. Da ich das Handy eh so gut wie immer dabei habe, lag es nahe mit dem E55 GPS-Daten aufzuzeichnen und diese später am Rechner den gemachten Fotos über die Uhrzeit zuzuordnen.

Das Aufzeichnen von Tracks, also GPS-Punkten, die einen Weg bilden, macht keine Probleme mit dem E55. Es gibt verschiedene GPS-Tracker-Anwendungen, die dies können. Ich habe hierzu zuletzt AFTrack  verwendet, aber auch beispielsweise  die Anwendung ViewRanger und andere sind dazu in der Lage. Vor der Reise habe ich die Uhrzeit in der Kamera schon einmal korrekt eingestellt, da ja die Zuordnung von aufgezeichneten GPS-Daten zu einem Photo nur über die Uhrzeit gemacht werden kann.Die GPS-Auchzeichnung selbst  verfügt immer die genaue Uhrzeit, da die Zeit als Teil der GPS-Informationen mit von den GPS-Satelliten übertragen wird.

Vor Ort muß man vor dem Fotografieren, die GPS-Aufzeichnung auf dem Handy starten. Auf Reisen macht man das idR einmal am Tag und läßt die Aufzeichnung dann durchlaufen.

Nach der Reise wird der aufgezeichnete GPS-Track vom Handy auf den PC kopiert und dort mit einer entsprechenden Software (ich verwende Digikam zu diesem Zweck) den Photos zugeordnet. Als Ergebnis enthält jedes Foto anschließend in seinen EXIF-Daten, die genaue Position wo es entstanden ist.

Die Probe aufs Exempel

Während meiner letzten Ägypten-Rundreise habe ich dann die Probe aufs Exempel gemacht.  Nach der Rückkehr war die Spannung groß, ob ich denn jetzt in der Lage sein würde, jedem Foto (ca. 700) seine Position zuzuordnen? Während des Urlaubs hatte ich fleißig mit meinem Handy GPS-Daten gesammelt, besser gesagt sammeln lassen, ich hatte das Handy einfach in der Hemd- oder Hosentasche stecken, was ausgereicht hat, um einen ausreichend guten GPS-Empfang zu erhalten.

Das Ergebnis zeigt, das diese Methode insgesamt funktioniert. Ich konnte den meisten Fotos mit Hilfe des GPS-Korrelators in Digikam die korrekte Position zuordnen lassen. Man klickt die Fotos an, denen man eine Position zuordnen möchte, gibt die GPS-Track-Datei mit den GPS-Daten an und der Rest geht von selbst.

Leider hat es nicht mit allen Photos geklappt. Das Problem war, das ich im Urlaub manchmal  schlicht vergessen hatte die GPS-Aufzeichnung am Handy zu starten, daher fehlten für diesen Zeitraum einfach die GPS-Daten.  Zudem ist ab und an, z.B. wenn man sich einmal eine Weile nicht unter freiem Himmel aufgehalten hat und das GPS-Signal nicht empfangen werden konnte, die Aufzeichnung abgebrochen, man hätte sie neu starten müssen, wenn man es denn bemerkt hätte.

Ein weiteres Problem ist die Tatsache, das zur Zeit ein Eintragen von GPS-Informationen nur in JPG-Dateien möglich ist, ich aber RAW-Bilder gemacht habe. Verändere ich jetzt etwas an den Einstellungen für die RAW-Entwicklung, z.B. eine andere Tonwertkurve oder mehr Schärfe, muß die zugehörige JPG-Datei natürlich neu erstellt werden, wodurch dann auch die GPS-Informationen neu zugeordnet werden müssen, da diese ja nur in der JPG-Datei enthalten ist. Sinnvoll wäre es, die GPS-Informationen direkt in die RAW-Dateien einzutragen, wodurch sie bei der Erstellung des JPG automatisch darin eingetragen werden könnten. Hier fehlt es im Moment noch an den notwendigen Werkzeugen.

Fazit

Als Fazit kann man sagen, da das hier beschriebene Verfahren funktioniert. Wie alles in der Welt hat diese Methode gute als auch schlechte Seiten:

Vorteile der GPS-Handy-Lösung:

  • Ein GPS-fähiges Handy vorausgesetzt, muß man kein weiteres Geld in Spezialhardware investieren und braucht neben dem Handy keine weiteren Gerätschaften mit sich herumzutragen.
  • Die Bedienung und überwachung des GPS-Empfangs sind am Handy idR einfach, weil man z.B. sehen kann ob eine Strecke aufgezeichnet wird und ob die GPS-Empfangsqualität gut ist. Man hat ein Display, was mehr sagen kann als eine einfach LED, die mal grün, gelb oder rot leuchtet.
  • Keine zusätzliche Belastung für den Kamera-Akku, der dadurch gewohnt lange durchhält.

Den Vorteilen stehen diese Nachteile gegenüber:

  • Man muß die Aufzeichnung des GPS-Tracks starten und immer wieder einmal nachsehen, ob die Aufzeichnung denn noch läuft. Hier ist also etwas Selbstdisziplin nötig.
  • Nach den Aufnahmen muß man mit zusätzlicher Software, die aber frei verfügbar ist, die Positionsdaten den Photos zuordnen lassen.
  • Der Akku des Handys muß regelmäßig aufgeladen werden.
  • Bisher können GPS-Daten nur in JPG-Dateien zuverlässig eingetragen werden, es sei denn man hat eine herstellerspezifische Lösung, wie z.B. den bereits genannten Nikon GP-1.

Generell ist GPS beim Fotografieren nicht ganz unproblematisch, da gerade nach dem Einschalten des GPS-Empfängers dieser sich erst einmal synchronisieren muß, um die aktuelle Position zu bestimmen. Dies kann durchaus einige Minuten in Anspruch nehmen. Der zweite Schwachpunkt ist, das der Empfang beim Betreten von Innenräumen idR nicht mehr gewährleistet ist und drittens brauchen GPS-Geräte noch zu viel Energie oder anders betrachtet: heutige Akkus sind noch zu schwach.

Die ideale Lösung, ein in der Kamera eingebautes GPS-Gerät, das immer sofort guten Empfang hat und zudem kaum Strom braucht, die Daten automatisch auch in die RAW-Bilder schreibt gibt es zur Zeit leider noch nicht. Je nach persönlicher Präferenz muß man daher abwägen welcher Lösung man den Vorzug gibt.

R.K.

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